Bayern ist Schlusslicht bei der Freiheit der Schulen

Aktionsrat Bildung legt sein Jahresgutachten 2010 zum Thema

„Bildungsautonomie – Zwischen Regulierung und Eigenverantwortung“ vor

Der Aktionsrat Bildung stellt fest, dass Bayern, das Saarland und Thüringen am wenigsten

ihren Schulen am wenigsten Schulautonomie zugestehen. Die Experten empfehlen grundsätzlich die Schulautonomie zu verstärken. Sie betonen, dass  internationale Studien zeigen, dass Kinder an selbstständigen Schulen auf Dauer auch bessere Leistungen bringen.

Er unterstützt mit seiner Studie indirekt die Kritik von Lehrerverbänden und Schülern vor allem in Bayern wenig Freiheit bei der Umsetzung von Lehrplan und Unterricht. zu haben erweiterte Schulmanagementbefugnisse gibt es in Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Kaum erweiterte Befugnisse gibt es hingegen in Bayern, Berlin und Saarland. Neue Steuerungsinstrumente sind in Bayern und Saarland „nicht vorhanden“ (Seite 17). Erheblich erweiterte organisatorische und administrative Handlungsspielräume gibt es in Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein. Bei der Anstellung neuer Lehrer und der Auswahl von Schulleitern haben die bayerischen Schulen bisher keine Mitsprache. Am weitesten in dieser Hinsicht geht Schleswig-Holstein, wo die Schulleiter gewählt werden. Zusammenfassend sagt der Aktionsrat: Bei der Gesamtbewertung im Bereich „Organisation und Verwaltung“ Hoch wird Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein eingestuft, niedrig hingegen Bayern, Saarland und Thüringen.

Auch bei der finanziellen Eigenständigkeit und Schwerpunktsetzung ist Bayern Schlusslicht:  bayerische Schulen sind hier wenig selbstständig. In etwa der Hälfte der Bundesländer dürfen die Schulen mittlerweile auch wirtschaftlich tätig sein – etwa Spenden eintreiben. In Bayern geht das laut Gutachten nur mit Einschränkungen. Natürlich ist es auch wichtig zu bedenken, dass die Schulen nicht Außerstellen von Sponsoring-Abteilungen werden sollen, doch mehr Flexibiltität wäre schon wünschenswert.

Die eigenständige Profilierung von Schulen ist in Bayern nur bei den sogenannten Modus21-Schulversuchen möglich, sonst ist die pädagogische Eigenständigkeit recht gering.

Auch im pädagogischen Bereich „erweiterte Handlungsspielräume in der Erziehungs- und Unterrichtsarbeit – flexible Lehrplangestaltung und Unterrichtsorganisation“ steht Bayern als einziges Bundesland bei der Rubrik „kaum oder gar nicht vorhanden“ Vorhanden ist es bei

Saarland und Sachsen, weitgehend bei allen anderen Bundesländern.

Auch beim Thema „Flexibilisierung der Stundendauer und Stundentafel, Budgetierung der Unterrichtsstunden“ hat bei Bayern als einziges Bundesland die Einordnung „kaum oder gar nicht vorhanden“ Die Gesamtbewertung lautet daher im Bereich „Pädagogische Aufgaben“

für Bayern als einziges Bundesland niedrig.

Bei der Schulqualität ist Bayern beim Autonomiegrad im Mittelfeld, an der Spitze stehen

Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte, dass die Staatsregierung den Schulen größere Freiheiten geben wolle – dass aber die bisher bestehenden Möglichkeiten von vielen Schulen gar nicht genutzt werden. „Wir haben im Gesetz einen ganzen Kasten, der nur von einem Bruchteil der Schulen in Anspruch genommen wird“, sagte Spaenle. Spaenle, der derzeit auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz ist, wird das Gutachten aus München schon ernst nehmen müssen. Die Erwartungen der bayerischen Wirtschaft an Reformen sind groß, vor allem wenn die Experten betonen, Schulen mit mehr Autonomie bilden auch selbständigere und leistungsfähigere Schüler aus. Bei der  demographischen Entwicklung wird es in einigen Jahren zu wenig  Schüler, Studenten und Fachkräfte aus Deutschland geben.

Auf knapp 170 Seiten und einem Zusatzband mit knapp 100 Seiten (incl. CD mit einer Synopse der Schul- und  Hochschulgesetze)  legt der Aktionsrat, der von der Vereinigung der bayerischen  Wirtschaft finanziert wird, ein wichtiges Gutachten vor:

Dem Aktionsrat Bildung gehören unter der Leitung von Professor Dr. Dieter Lenzen, dem Präsidenten der Universität Hamburg, Professor Dr. Hans Peter Bloßfeld, Universität Bamberg, Professor Dr. Wilfried Bos, Professor Dr. Hans-Dieter Daniel, Professor Dr. Bettina Hannover, Professor Dr. Manfred Prenzel, Gründungsdekan der TUM School of Education und Professor Dr. Ludger Wößmann, LMU München und Ifo-Institut an.

Dieses – und andere Gutachten des Aktionsrat Bildung– findet man im Internet unter:

http://www.aktionsrat-bildung.de

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