Deutscher Qualifikationsrahmen: Neuer Anlauf Ende Januar 2012

Ties Rabe, Hamburger Bildungssenator (SPD) und neuer Vorsitzender der Kultusministerkonferenz scheint die Situation realistisch einzuschätzen: Die Sozialpartner lassen sich nicht spalten und beharren auf der Position, dass qualifizierte berufliche Ausbildung auf das gleiche Niveau wie das Abitur gesetzt werden müssen. Da die KMK offensichtlich das Abitur weiterhin auf Stufe 5 eingruppieren will, gibt es nur die Chance zur Einigung, viele qualifizierte Ausbildungsberufe auch auf die Stufe 5 zu setzen. Offen wird mittlerweile im Umfeld der KMK eingeräumt, dass die deutsche duale berufliche Ausbildung in Europa zu niedrig eingruppiert wird. Das sieht offensichtlich auch die Bundesbildungsministerin Schavan so, die von einer Eingruppierung von Abitur und qualifizierter beruflicher Bildung auf dem gleichen Niveau ausgeht.

Wie geht es weiter ? Mitte Januar wurde die KMK in den Bundestagsausschuss für Bildung eingeladen um die Eingruppierung zu beraten. Grundlage ist ein Antrag der SPD-Bundestagsfraktion mit dem Vorsitzenden Steinmeier an der Spitze. Ende Januar soll es ein gemeinsames Gespräch von Bundesregierung, KMK und Sozialpartner geben. Klar ist schon jetzt, dass die KMK die politischen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse falsch eingeschätzt hat und sich in eine Abseitsposition begeben hat und klar an der Wand steht. Ihre Glaubwürdigkeit als Akteur der Anliegen der Bildungspolitik ist sowieso schon erschüttert, sie kann jetzt nur noch versuchen einem Kompromiss zu zustimmen, sonst scheitert der DQR – und die Schuld hätte die KMK. Denn Bundesregierung, Wirtschaftsminister der Länder und die Sozialpartner lehnen eine alleinige Eingruppierung des Abiturs in Niveaustufe 5 ab.

Der bisherige Verlauf:

Das für den Donnerstag, den 8.12.2011 von der KMK vorgesehene Kompromisstreffen zur Einstufung des Abiturs und der qualifizierten Berufe auf der 8-stufigen Niveauskala wurde von der Wirtschaft und den Gewerkschaften abgesagt. Damit ist der Vorsitzende der KMK, Kultusminister Althusmann aus Niedersachsen mit seiner Strategie gescheitert. Offensichtlich hat er – und zumindest ein Teil der Kultusminister – immer noch cie Brisanz für die duale Berufsausbildung verstanden, wenn das Abitur auf Stufe 5 und mindestens 3-jährige Berufe auf Niveaustufe 4 gesetzt worden wären. Die Kultusministerkonferenz scheint immer noch nicht zu verstehen, welchen hohen Stellenwert eine gleichwertige Einstufung von qualifiizierter Ausbildung und Abitur für die Wirtschaft und Gewerkschaften und damit für die Sozialpartner haben.
Die duale Berufsausbildung ist das Rückgrat der deutschen
Arbeitsgesellschaft und damit auch die Garantie für Qualität in Handwerk und Produktion, Die Gleichwertigkeit ist das Herzstück für die Anerkennung von Berufsausbildung. Wird dieses Prinzip aufgegeben, besteht die Gefahr einer schleichenden Dequalifizierung der Fachkräfte und damit eine Aushöhlung des industriellen Kerns Deutschlands.

Offensichtlich haben die Kultusminister die Entsclossenheit von Wirtschaft und Gewerkschaften unterschätzt.

Eine neue Terminierung ist für den Januar 2012 im Gespräch, allerdings besteht die Forderung nach Einbeziehung der Bundesbene und der Wirtschaftsminister der Länder. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich langsam auch die Ministerpräsidenten oder zumindest einer der Ministerpräsidenten sich des Themas annehmen könnte oder sollte. Die Hinhaltetaktik der Kultusministerkonferenz hat schon jetzt sehr viel Ärger ausgelöst.

Deutscher Qualifikationsrahmen: Lobby der Gymnasien gefährdet deutsche Berufsausbildung

Deutscher Qualifikationsrahmen: Lobby der Gymnasien gefährdet deutsche Berufsausbildung

Am Donnerstag, 8.12.2011 trifft sich die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften

Die Kultusminister wollen das Abitur auf der Skala von eins bis acht auf fünf setzen, einen mindestens dreijährigen Berufsabschluss auf vier.
Bundesregierung, Wirtschaftsminister, Wirtschaft und Gewerkschaften fordern in seltener Einmütigkeit die Gleichwertigkeit der Abschlüsse von allgemeiner und beruflicher Bildung und damit die Eingruppierung von Abitur und mindestens dreijähriger Berufsausbildung jeweils auf vier.

In neun anderen europäischen Ländern ist diese der nationalen Qualifikationsrahmen so vorgenommen worden. Ausgerechnet im Land einer weltweit vorbildlichen verzahnten Berufsausbildung im Betrieb und Berufschule, der sogenannten dualen Berufsausbildung versuchen die Kultusminister den Vorrang des Gymnasiums vor der beruflichen Berufsausbildung zu zementieren. In Sonntagsreden wird die Berufsausbildung gelobt, der Meister gefeiert. Doch an den Werktagen wird den Akteuren der beruflichen Bildung und ihrer Reputation das Leben schwer gemacht. Nicht nur dass die Vertreter der Kultusministerien unverantwortlich in den Kommissionen taktiert haben und damit die Arbeit verzögert haben, nein es kommt noch hinzu, dass die Brisanz schlicht und einfach negiert wird, so z.B. vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz dem niedersächsischen Kultusminister Althusmann: „Es wird am 8. Dezember unter meiner Leitung ein Gespräch mit den Sozialpartnern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften in Berlin geben, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der KMK. Ich kann mir vorstellen, dass man sich verständigt. Klar muss aber sein, wir müssen versuchen unsere allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und hoch qualifizierte Berufsabschlüsse gleichsam auf das höchstmögliche Niveau in Europa zu bekommen. Das ist nämlich der Beschluss der KMK: berufliche Ausbildung und allgemeine Hochschulzugangsberechtigung Stichwort Abitur auf das Kompetenzniveau 5 zu bringen und dann die Berufsausbildung auf drei Niveaustufen zu differenzieren. Gegebenenfalls wird es am Ende einen Kompromiss geben.“(So im Bildungsklick vom 24.11.2011) und weiter:
„Dr. Bernd Althusmann: Einen worst case hoffe ich, wird es nicht geben. In Deutschland haben wir genügend vernünftige
Menschen, sowohl aufseiten der KMK als auch aufseiten der Wirtschaftsvertreter, dass wir uns sicherlich verständigen
werden. Klar muss aber sein, gerade die starke duale Berufsausbildung in Deutschland muss auf ein hohes europäisches
Niveau. Wir dürfen uns nicht länger darüber beklagen, wenn wir nicht ausreichend mit dieser Ausbildung anerkannt werden,
wenn uns das jetzt nicht gelingt.“ (Bildungsklick 24.11.2011)

Herr Althusmann scheint den Ärger den die Kultusministerkonferenz
derzeit permanent mit ihren Argumenten auslöst, total auszublenden.
Wenn das eher besonnene Handwerk von „einem Generalangriff auf die dualen Berufsausbildung“ spricht (Presseerklärung vom 24.10.2011), dann geht es nicht um fadenscheinige Kompromisse sondern um eine Entscheidung für oder gegen die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung. Dann geht es auch um das Gespräch auf Augenhöhe, bei der nicht die Kultusminister über Kompromisse feilschen können, wie sie das vielleicht ja mit anderen Gruppen in der Gesellschaft gewöhnt sein könnten. Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufbildung (BIBB), in dem Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften die Leitlinien der beruflichen Bildung gemeinsam besprechen, beschloss dass der Beschluss der Kultusminister
“weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet”, sei so der BIBB-Hauptausschuss. Das auch als “Parlament der Berufsbildung” bezeichnete BIBB-Gremium befürchtet einen Attraktivitätsverlust der dualen Berufsausbildung und damit negative Auswirkungen auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche. “Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss.” Daher rufen die Mitglieder des BIBB-Hauptausschusses die Kultusminister daher auf, “ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren”. (Beschluss des Hauptausschusses vom 29.11.2011). Der IG Metall Bildungsexperte Klaus
Heimann sagt dazu: „Natürlich werden Wirtschaft und Gewerkschaften Gespräche mit der KMK führen. Aber unter anderen Bedingungen als die KMK das am 8. Dezember vorschlägt. Gespräche gibt es nur auf Augenhöhe und mit
ergebnisoffenem Ausgang“. Die Gewerkschaften drängen daher auf einen anderen Termin und auf eine andere Zusammen-setzung als von der KMK geplant.

Die Ergebnisse der allgemeinen deutschen Bildungspolitik sind ja nicht so hervorragend, dass sie einen wirklich funktionierenden Bildungsbereich entscheidend schwächen sollten. Und vielleicht noch was: In Zukunft ist der Mangel an Fachkräften mit einer dualen beruflichen Ausbildung größer als der an Akademikern. Vergessen wird oft, dass viele Ingenieure vorher eine Ausbildung durchlaufen haben. Gerade die duale Berufsausbildung in Verbindung mit Theorie ist das Rückrat für die Produktion in Handwerk und Industrie. Viele deutsche mittelständische Unternehmen sind in ihren Segmenten Weltmarktführer. Ein großer Hersteller von Bussen sagte bei einem Betriebsbesuch, wir bilden die zukünftigen Facharbeiter drei Jahre aus und bilden Sie noch zwei Jahre weiter, dass sie die hohe Qualität der Busse herstellen können. In anderen Ländern in Europa könnten wir diese Qualität nicht herstellen.
Wollen dies wollen die Kultusminister wegen dem Druck aus dem Bereich der Lobbyisten aus dem Gymnasialbereich
opfern ? Spätestens sind hier die Ministerpräsidenten gefordert.

Anhang 1
www.zdh.de
© 2011 Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V.
Handwerk beklagt Generalangriff auf die berufliche Bildung
Zum Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder, wonach das Abitur höherwertig eingestuft werden soll
als der Großteil der dualen Ausbildungsabschlüsse, erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Mit ihrer Entscheidung hat sich die Kultusministerkonferenz bildungspolitisch isoliert. Sämtliche andere Akteure, die an der Erarbeitung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) beteiligt sind – der Bund sowie die
Sozialpartner und Wirtschaftsorganisationen – plädieren schon seit langem für eine gleichwertige Einstufung der
dualen Berufsausbildung mit dem Abitur auf Niveau 4 des DQR. Selbst die Wirtschaftsminister der Länder haben sich im vergangenen August hierfür ausgesprochen. Die Entscheidung der KMK wertet das Handwerk als Generalangriff auf die duale Berufsausbildung. Der beruflichen Bildung muss ein angemessener Platz im nationalen Bildungssystem eingeräumt werden. Ansonsten riskiert die KMK bewusst das Scheitern des nationalen Qualifikationsrahmens und nimmt eine
Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Deutschland in Kauf.
Die duale Ausbildung ist die zentrale Basis für die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Wirtschaft. Sie zu untergraben ist inakzeptabel. Wenn der Großteil der Ausbildungsberufe unterhalb der allgemeinen Hochschulreife eingeordnet wird, droht der dualen Berufsausbildung in Deutschland ein massiver
Attraktivitätsverlust.“
[24.10.2011]

Anlage 2

50/ 2011
Bonn, 01.12.2011
Deutscher Qualifikationsrahmen: BIBB-Hauptausschuss fordert Kultusministerkonferenz zum Umdenken auf
Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat zur Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) Ende November eine Stellungnahme verabschiedet: Der Beschluss der KMK, wonach das Abitur bei der Ausgestaltung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) auf Niveaustufe 5 und damit höher als viele Abschlüsse der beruflichen Bildung eingeordnet werden sollte, sei “weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet”, so der BIBB-Hauptausschuss. Sollte dieser Beschluss so bestehen bleiben, befürchtet das auch als “Parlament der Berufsbildung” bezeichnete BIBB-Gremium einen Attraktivitätsverlust der dualen Berufsausbildung und damit negative Auswirkungen auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche. “Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss.” Die Mitglieder des BIBB-Hauptausschusses rufen die Kultusminister daher auf, “ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren”.
Der BIBB-Hauptausschuss sowie die Bundesregierung, die Wirtschaftsministerkonferenz der Länder, die Sozialpartner und die Wirtschaftsorganisationen setzen sich übereinstimmend dafür ein, das Abitur sowie die drei- und dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufe gleichwertig auf die Niveaustufe 4 des DQR zuzuordnen.
Der bis zum kommenden Jahr bildungsbereichsübergreifend zu entwickelnde Deutsche Qualifikationsrahmen bildet – genauso wie der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), mit dem der DQR eng verzahnt werden muss – die Wertigkeit von Qualifikationen in einer achtstufigen Skala ab. Mit der Umsetzung der Qualifikationsrahmen sollen sich Qualifikationsstandards in Europa etablieren, wodurch Transparenz und Mobilität gefördert, die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen erhöht und die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung verwirklicht werden sollen.
Der Hauptausschuss des BIBB hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Dem Ausschuss gehören zu gleichen Teilen Vertreter und Vertreterinnen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie der Bundesländer und der Bundesregierung an.

Anlage 3
Anlage zur BIBB-Pressemitteilung Nr. 50/2011 vom 01.12.2011:
Stellungnahme des Hauptausschusses des
Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
Bewertung des Beschlusses der Kultusministerkonferenz (KMK)
zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)
Im Einklang deutscher und europäischer Bildungspolitik sollen Mobilität und Transparenz gefördert, die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsbe-reichen erhöht und die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung verwirklicht werden. Hierauf zielt der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ab. Im Erarbeitungsprozess zum DQR gab es einen breiten Konsens zwischen Bundesregierung, Kultusministerkonferenz, Hochschulrektoren-konferenz, Wirtschaftsministerkonferenz, Sozialpartnern, Wirtschaftsorganisationen und anderen wichtigen Akteuren des deutschen Bildungs- und Qualifizierungssystems. Die Matrix des DQR wird von all diesen Beteiligten als geeignete Grundlage für die weitere Erarbeitung akzeptiert. Im Rahmen der Zuordnung von Qualifikationen haben sich Bundesregierung, Wirtschaftsministerkonferenz, Sozialpartner und Wirtschaftsorganisationen fachlich durch die Matrix des DQR begründet positioniert: Qualifikationen der Allgemeinbildung und der beruflichen Erstausbildung sollen den Niveaus 1 bis 4, die der beruflichen Weiterbildung und akademischen Bildung den Niveaus 5 bis 8 zugeordnet werden. Diese Zuordnung steht im Einklang mit europäischen Entwicklungen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrer Plenarsitzung am 20./21.10.2011 den Beschluss gefasst, die allgemeine Hochschulreife (AHR) und die fachgebundene Hochschul-reife (FgbHR) auf Niveau 5 des DQR zuzuordnen. Die berufliche Bildung soll offensichtlich zudem größtenteils niedriger bewertet werden als die allgemeine Hochschulreife. Damit stellt sich die KMK bewusst gegen die Position der anderen am Erarbeitungsprozess beteiligten Akteure.

Der Zuordnungsvorschlag der KMK ist absolut inakzeptabel. Er ist weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet. Das Abitur entspricht nicht den Kriteri-en, wie sie in der Matrix des DQR auf Niveau 5 beschrieben sind. Abiturienten weisen mit ihrem Schulabschluss nicht die Handlungskompetenzen im Sinne des Niveaus 5 des Deutschen oder des Europäischen Qualifikationsrahmens auf (so besitzen sie nicht die Fähigkeiten und Kenntnisse zur Führung von Teams). Das Abitur ist oft erst die Basis, um eine berufliche Ausbildung in Unternehmen oder ein Studium aufnehmen zu können. Das Ansinnen der Kultusminister reflektiert auch nicht die damit verbundenen Konsequenzen für das deutsche Qualifikations- und Beschäftigungssystem. Ihr Beschluss wird sich, sollte er so bestehen bleiben, äußerst negativ auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche und -sektoren auswirken. Die duale Berufsausbildung wird einen Attraktivitätsverlust erleiden. Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des jetzt schon bestehenden Fachkräftemangels ist das eine alarmierende Vorstellung. Der Wirt-schaftsstandort Deutschland ist auch in Zukunft auf gute, beruflich qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Mit ihrer Position, dass AHR und FgbHR qualitativ über dem Gros der dualen Ausbildungsberufe stehen, stellt die KMK auch das Bestreben um eine Beförderung der Gleichwertigkeit der Bildungsbereiche innerhalb des Bildungssystems infrage. Der bisher im Rahmen der Erarbeitung des DQR erzielte Konsens hinsichtlich Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung wird konterkariert. Das betrifft beispielsweise die gleichwertige Zuordnung von Bachelor und Meister auf Niveau 6 sowie von Master und Strategischer Professional auf Niveau 7. Die Mitglieder des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung fordern, dass alle Qualifikationen entsprechend der Niveaubeschreibungen und un-abhängig von Zugangsberechtigungen dem DQR zugeordnet werden. Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Lehrende und Lernende werden
eine Höherbewertung von AHR und FgbHR im DQR-Niveau 5 nicht akzeptieren. Die Mitglieder des Hauptausschusses fordern die Kultusminister der Länder auf, die bisherigen Errungenschaften des DQR, insbesondere mit Blick auf den Übergang vom Bildungs- ins Beschäftigungssystem, nicht zur Disposition zu stellen. Sie rufen die Kultusminister auf, ihre Entscheidung im Lichte ihrer bildungspolitischen Gesamtverantwortung zu überdenken und zu korrigieren. Es muss das gemeinsame Interesse aller Verantwortlichen sein, mit dem DQR ein in sich stimmiges Zuordnungssystem zu finden, das sowohl der Weiterentwicklung des gesamten Bildungssystems als auch der Orientierung aller Unternehmen, Lernenden und Arbeitnehmer dient. Auch die Entscheidung, die AHR, die FgbHR und die Fachhochschulreife (FHR) unterschiedlichen Niveaus zuzuordnen, muss überdacht werden.
Die Mitglieder des Hauptausschusses unterstützen nachdrücklich die Position der Bundesregierung und der Wirtschaftsministerkonferenz, wonach das Abitur dem Niveau 4 im DQR zugeordnet werden soll, und bitten beide, diese Position konsequent weiter zu vertreten. Sie erwarten von der KMK, dass der bisher beschrittene Weg der konsensualen Abstimmung aller Akteure im weiteren Erarbeitungsprozess des DQR wieder beachtet wird.

Vom Wutbürger zum politischen Menschen

Vom Wutbürger zum politischen Menschen

Wutbürger gab es nicht nur in Stuttgart, als Wutbürger werden Menschen bezeichnet die wütend gegen vor allem lokale Projekte oder Missstände protestieren oder vorgehen. Oft sind es Menschen, die sich vorher noch nie protestierend in Politik eingemischt haben. Doch die Wutbürger von Stuttgart 21 wurden von zwei erfahrenen Polit-Profis unterschiedlichen Schlags ausgeknockt. Dem Machtmenschen Mappus, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden Württemberg und Heiner Geißler, dem CDU-Mitglied, ehemaligen Generalsekretär der CDU und rhetorisch, ethisch und sprachlich dialektisch geschickten Politstrategen. Mappus, der der Politik mittlerweile den Rücken gekehrt hat, da er nicht mehr an der Macht bleiben konnte holte sich clever und überlegt Heiner Geißler wohlwissend, dass dieses personelle Angebot auch für die Gegner von Stuttgart 21 nicht abzulehnen war. Und dann kamen die tollen Bedingungen:
Alle Argumente für und wider sollten auf den Tisch kommen und dies alles live in Phoenix gesendet. Wenn das nicht Demokratie pur ist ? ..und in der Zeit wo diskutiert und verhandelt wurde sollte natürlich Ruhe herrschen, Frieden am Bauzaun.
Beinahe wäre ja das Kalkül von Hr. Mappus aufgegangen und hätte die Macht behalten.
Wie lautete der Schlichterspruch, sehr verkürzt: Der Bahnhof wird wie nach Plänen der Befürworter gebaut, einige Korrekturen soll es geben und die Forderung nach einem
Volksentscheid wischte der Schlichter Geißler vom Tisch. Geht nicht. Sagt der Jurist Geißler. Ich habe gesprochen. Nach den Wahlen schlug Hr. Geißler vor, dass ja der Kopfbahnhof zum Teil bleiben könnte und nur ein kleinerer Tunnelbahnhof gebaut werden könnte. Ja warum war ist das nicht Schlichtungsspruch ? Warum sagt die Bahn nach der Volksabstimmung, dass das Land an den Mehrkosten sich beteiligen müsse, wo doch angeblich alles so toll und seriös geplant ist ?

Hr. Kretschmann, der neue Ministerpräsident sagt, die Demokratie hat gewonnen und er erkennt die Abstimmung an. Bleibt ihm ja nichts anderes übrig.

Und was bleibt jetzt von der Schlichtung übrig:
1. Der Tunnelbahnhof wird gebaut
2. Die Kosten können weiter wachsen und alle müssen zahlen
3. Die Folgen von der Fehlplanung muss die neue Regierung in Baden-Württemberg ausbaden.
4. Man hat Monate offen diskutiert
5. Die Proteste wurden beruhigt

Was sind die Konsequenzen ?

Klar müssen Großprojekte breiter diskutiert werden, doch wer kann die Folgen
von Entscheidungen in 10,20 Jahren vorher sehen ? Wer kann die Spannung zwischen manchmal notwendigen ökonomischen Notwendigkeiten und sozialen und ökologischen
Folgen einfach auflösen ?

Wenn es so einfach wäre..

Ein inhaltliches Angebot ist das Buch von Professor Negt: Der politische Mensch, der kürzlich in München referierte

Vom Wutbürger zum politischen Menschen
Die Gegenwartsgesellschaft im Umbruch –
Gibt es einen politischen Aufbruch ?
Professor Oskar Negt (Hannover) gilt als einer der bedeutendsten Soziologen und Sozialphilosophen in Deutschland. Zusammen mit Alexander Kluge hat er viele Bücher verfasst, aber auch Filme und Fernsehsendungen produziert. Seit vielen Jahren unterstützt er die Glockseeschule in Hannover und referiert in der Erwachsenenbildung und bei den Gewerkschaften. In einem Interview mit dem Spiegel am 9.8.2010 über seine Idee des Handelns angesichts der Krisen antwortete er, angelehnt an ein Zitat aus den „Briefen aus dem Kerker“ von Antonio Gramsci: „Was Theorie und Analyse betrifft, bin ich Pessimist, denn der Intellektuelle, der politische zumal, hat die Aufgabe, auch die schlechteste Möglichkeit mit einzukalkulieren. Als praktischer Mensch bin ich Optimist, denn es gibt kein System ohne Risse. Diese gesellschaftlichen Risse zu suchen, das Unlegitimierte sichtbar zu machen und alternative Entwürfe zu entwickeln, das ist mein Credo und mein Programm.“ Phantasie und Utopie sind zentrale Begriffe in dem Werk Oskar Negts.
Für den mittlerweile achtigjährige Professor Negt sind Vortrags-und Diskussionsveranstaltungen sehr wichtig, er sehe hier in München einige bekannte Gesichter, denn„die Herstellung von inhaltlichen Diskussionszusammenhängen ist durchaus wichtig für die Stabillisierung von politischen Menschen.“ Für ihn leben wir derzeit in einer Zeit, in der sich alte Bindungen auflösen, in einer Zeit in der Bindungen bewusst vom kapitalistischen System zerstört werden. Für ihn erleben wir heute einen Kapitalismus, der überhaupt keine Begrenzungen mehr hat, eine Totalisierung kapitalistischer Formen und Unternehmen. Negt sieht eine zunehmende Polarisierung zwischen Arm und Reich und auch eine zunehmende Polarisierung in kulturellen und sozialen Bereichen. So gibt es weniger Lernprozesse zwischen weniger Begabten und mehr Begabten. Die derzeitige Flexibilisierungsideologie mit dem umfassend verfügbaren Menschen ist für Negt kein Element der Nachhaltigkeit, keine Ökonomie des ganzen Hauses, die eigentlich notwendig sei. Doch für Negt nimmt mit der gesellschaftlichen Krise nicht die Bindungsbedürftigkeit des Menschen ab. Die heutige gesellschaftliche Krise ist für ihn keine rein ökonomische Krise, sondern eine kulturelle Erosionskrise in der alte Normen und Werte nicht mehr gelten. Hinzu kommt die ungeheurere Zeitreduktion, ein Zeitverzehr der dazu führt, dass z.B. vielfach nicht mehr ganze Bücher gelesen werden, sondern nur noch Lese – Häppchen konsumiert werden. Die Menschen erleben die Angst vor Entwurzelung die elementare Erfahrung von Trennung hautnah und suchen nach dem Sinn in dieser Gesellschaft. Für Negt gibt es einen wachsenden Rohstoff Angst in der Gesellschaft mit der Folge einer zum Teil depressiven Gesellschaft. Die psychischen Krankheiten haben sind verzehnfacht, vor allem die Depression. Die Menschen sind intensiv auf der Suche nach Antworten, die in Ungarn, zum Teil auch in den Niederlande, Norwegen und Frankreich zu rechtsradikalen Parteien geführt haben. Für hängt es damit zusammen, dass es in Europa zu wenig Sozialstaat gibt, in dem im Zentrum eine Bildung stehen müsste mit dem Begriff der Würde in der Mitte, mit dem der Mensch immer wieder daran erinnert werden sollte, dass er nichts zerstören sollte, was er nicht wieder aufbauen kann. Negt vertrat auch bei seinem Vortrag die Zielvorstellung der Autonomiefähigkeit des Menschen. Er kann zeitweilig zum Wutbürger werden, sich auf Dauer aber zum politischen Menschen entwickeln sollte. Die Geisteshaltung von Negt belegt sehr deutlich ein Zitat aus einem kürzlich erschienenen Interview Negts mit der Zeitschrift Publik-Forum „Nichts verbraucht soviel Energie, wie das Aushalten von Zuständen, die man als unerträglich erlebt.“
Professor Oskar Negt referierte im Kulturzentrum München – Messestadt als Kooperationsveranstaltung mit dem Verdi Bezirk München, der IG Metall Jugend Bayern, der Leserinitiative Publik, dem Netzwerk Gesellschaftsethik und dem KAB-Bildungswerk.
Literatur:
Negt zeigt in seinem Buch „Der politische Mensch – Demokratie als Lebensform!“, 2010, (Steidl Verlag, 29.00 Euro) auf, dass wir uns in einer Phase des Umbruchs befinden. Die Probleme in der Arbeitsgesellschaft spitzen sich so zu, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft, des demokratischen Gemeinwesens, nicht mehr gesichert erscheint. Alle Kräfte in der Demokratie müssten gebündelt und die gesellschaftliche Phantasie mobilisiert werden. Tiefgreifende Reformen sind nötig, denn das ständige „Weiter so“ reiche nicht aus. Negt kritisiert die rein betriebswirtschaftliche Betrachtung der derzeitigen Wirtschaftskrisen und die Verkürzung der Politik auf das rein betriebswirtschaftliche Denken und Handeln. Dies höhle die politische Moral aus und gefährde die Grundlagen der Demokratie.

Bildungsungerechtigkeit Realität im Jahr 2011

Der “Spiegel” stellt in seiner Online-Ausgabe vorweg die Ergebnisse der Studie “Deutsche Lernatlas 2011″ der Bertelsmann Stiftung vor. Der Lernatlas versucht mit einem Set von Berechnungen und vielen Merkmalen die Lernmöglichkeiten anhand der Lebensverhältnisse zu errechnen. Der Spiegel schreibt: “Wie viel Ungleichheit aber verträgt ein Land, wann schlägt Unterschiedlichkeit in Ungerechtigkeit um? Der Lernatlas zerstört die Illusion von gleichwertigen Lebensverhältnissen, wie sie so oft beschworen worden sind. Die Verfassung erwähnt die „Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse im Bundesgebiet“. (Spiegel, 47/2011, Seite 72) . Den langjährigen Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK) zitiert der Spiegel so: “Vielmehr würden „eigene Interessen und Wege verfolgt, gerade im Süden der Republik“. Der Spiegel weiter:Wie mühsam 16 Länder zusammenzuhalten sind, weiß wahrscheinlich niemand besser als Thies. 13 Jahre lang bemühte er sich darum, so lange diente er der Kultusminister-konferenz. Heute sieht er Deutschland auf einem gefährlichen Weg in die Zweiklassengesellschaft. Bayern und Baden-Württemberg verfügten über ein „hohes Finanzpotential“, viele andere Länder nicht. Thies mahnt: „Wir müssen ufpassen, dass sich diese Unterschiede nicht noch weiter vergrößern.“ Spiegel 47/2011, S 72/73) Die sechs Sieger aus den verschiedenen Kategorien stammen alle aus dem Süden: E s sind die Städte München (größere Großstadt), Erlangen (sonstige Großstadt),Bamberg (  Klein-und Mittelstädte), Würzburg (verdichtetes Umland), Landkreis Main-Spessart (im ländlichen Umfeld) und Landkreis Miesbach (im ländlichen Raum). Die Botschaft der Bertelsmann-Stiftung lautet: “ Weil es auf so viel mehr ankommt. Nicht nur in der Schule oder der Hochschule lernen wir, sondern auch im Leben – das ist die Botschaft der Stiftung. Sie stützt sich auf einen großen Bericht der Unesco zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, erstellt von einer Kommission unter Leitung des langjährigen EU Kommissions-präsidenten Jacques Delors. Das Gremium benannte 1996 genau vier Bereiche des Lernens, die nun dem Lernatlas zugrunde liegen.” Der Spiegel zählt die vier Bereiche auf: “Da ist, erstens, das Schulische Lernen. Die Atlas-Werte bemessen sich unter anderem danach, wie gut Grundschüler lesen können, wie viele Schüler sitzenbleiben, wie viele Hochschulabsolventen eine Region zählt. Dazu kommt, zweitens, das Berufliche Lernen, vor allem Aus- und Weiterbildung: wie viele Jugendliche ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz sind oder wie viele Weiterbildungsangebote die Volkshochschule macht. Beide Bereiche sind so wichtig, dass sie die Gesamtpunktzahl eines Kreises stark beein-flussen: Zwei Drittel der Gesamtpunktzahl hängen davon ab. Spannender aber sind zwei weitere Bereiche, die der Lernatlas erfasst. Hier geht es nicht um Noten, nicht um Wissen, nicht um Bildung im engeren Sinne. Die Botschaft der Bertelsmann Stiftung lautet: Lernen kann man fast überall. Sie misst deshalb, drittens, das Soziale Lernen: wie viele Bürger einer Partei angehören, wie viele Einrichtungen der Jugendarbeit es gibt, wie viele Menschen sich in der Freiwilligen Feuerwehr und beim Deutschen Roten Kreuz engagieren.Und schließlich, viertens, geht es im Lernatlas noch darum, was jeder Einzelne für sich selbst tut, das Persönliche Lernen: wie viele Menschen ins Museum oder ins Theater gehen, wie viele Sportvereine es in einer Region gibt, wie gern die Menschen Bücher lesen.” (Spiegel 47/2011, S 74) Die Bertelsmann hat aus über 300 Lern – und Bildungskennzahlen ausgewählt, spannend wird es wenn die ausführliche Studie veröffentlicht wird und alle Städte und Kreise ansehen können wie gut sie dastehen. Düsseldorf hat z.B. eine Wirtschaftskraft aber einen relativ niedrigen Wert beim Lernatlas schreibt der Spiegel. Vielleicht ein Ergebnis der harten Kürzungspolitik in Düsseldorf ? Wichtig ist: In Bildung und Kultur muss auch investiert werden, denn Lernen geschieht – so die Bertelsmann – Stiftung -nicht nur in der Schule, sondern in Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr, der Bibliothek oder Museen. Lernen ist nicht an einen Ort allein gebunden, Lernen geschieht im Team und vielfältig. Wenn das in Deutschland sich herumsprechen würde, wäre das schon sehr wichtig. Denn: Lernen ist mehr als schulischer Unterricht.

“Was ihr für einen meinen geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Matthäus 25,40)

“Wenn der Menschesohn in seiner Herrlichkeit kommt und und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.”

Kommentar:
Im Matthäus Evangelium steht am Ende: “Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.” Jesus sagt damit ganz klar:
Es geht nicht nur darum, was der Mensch Schlechtes oder Gutes tut, sondern auch, was der Mensch nicht tut, d.h. unterlässt zu tun. Für das menschliche Leben bedeutet das: der Mensch ist auch letztlich verantwortlich was er nicht beachtet, wo er nicht hinsieht und was er nicht tut. Der Mensch hat von Gott die Freiheit erhalten, sich zu entscheiden, auch sich zu entscheiden nichts zu tun. Dann kann er sich auch schuldig machen, auch das gehört zur Freiheit. Die menschliche Freiheit beinhaltet
auch die Verpflichtung sich zu engagieren und sich für oder gegen eine Meinung zu entscheiden. Menschliche Freiheit bedeutet immer auch als Mensch Veranwortung zu übernehmen, auch wenn es für ihn selbst nicht immer gut ist. Jesus hat sich der Verantwortung gestellt und ist seinem gewaltsamen Tod in letzter Konsequenz seines Handelns nicht ausgewichen. Auch die Menschen des Widerstands gegen den Nationalismus riskierten in Verantwortung ihr Leben und wurden vielfach hingerichtet. Klar iat, dass wahrscheinlich immer nicht soviele Menschen diese letzte Konsequenz übernehmen können und wollen. Es gibt aber für jeden Menschen im Alltag vielfach Möglichkeiten Verantwortung und Zivilcourage zu übernehmen. Das geschieht natürlich nicht von selbst, das muss von klein auf vorgelebt und gelernt werden. Hier gibt es noch viel zu tun.
Beispiele dafür sind: Aktion Respekt, Bündnis gegen Rassismus etc.

Lebensbegleitende Bildungs- und Berufsberatung in Deutschland Strukturen und Angebote

Das Nationale Forum Bratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung hat nun eine wichtige Information auch in Deutsch veröffentlicht. Auf 20 Seiten beschreiben die Autoren
Bernhard Jenschke, Karen Schober und Judith Frübing die Struktur des Bildungssystems in Deutschland, Beratungsangebote in Bildung, Beruf und Beschäftigung, Beratung für Menschen mit besonderem Beratungsbedarf, Information und Beratung über das Internet, Qualität und Professionalität in der Beratung und die Europäische Zusammenarbeit. Ein Literaturverzeichnis und eine Übersicht von ausgewählten Webseiten runden diese außerordentlich hilfreiche Broschüre ab.

In Deutsch zum downloaden:
Lebensbegleitende Bildung – und Berufsberatung in Deutschland – Strukturen und Angebote.

http://www.forum-beratung.de/cms/upload/Veroeffentlichungen/Eigene_Veroeffentlichungen/NFB_MASTER_Broschre_englisch_V02.pdf

In Englisch zum download

http://www.forum-beratung.de/cms/upload/Veroeffentlichungen/Eigene_Veroeffentlichungen/NFB_MASTER_Broschre_englisch_V02.pdf

Guttenberg – ein Phänomen oder Realität ?

Karl Theodor von Guttenberg hat offensichtlich viele Menschen bewegt und erreicht. Es gründen sich jetzt Fanclubs etc..Doch wie geht es realistisch weiter ?

Mittlerweile hat Guttenberg alle seine politischen Ämter niedergelegt: Minister der Verteidigung, Vorsitzender des CSU-Bezirks Oberfranken, Bundestagsmandat.
Gleichzeitig ermittelt aufgrund von Anzeigen die Staatsanwaltschaft Hof.
Die grundlegende Frage für viele Menschen ist: Wann ist Herr zu Guttenberg wieder in der Politik zu erleben und wie hat er die Niederlage verarbeitet ?

Die Frage ist allerdings auch, wie ist wirklich die Doktorarbeit entstanden ?
Ist sie von ihm selbst mit diesen gravierenden “Mängeln” verfasst worden oder hat er si jemanden bezahlt, dass er diese Doktorarbeit schreibe. Klar ist natürlich auch, dass es wichtig ist, mal in Ruhe die Substanz des Könnens von EX-Minister Guttenberg anzusehen.

Kurz vor seinem Rücktritt lass ich – ich weiß leider nicht mehr wo – dass aus dem Kanzleramt von den dortigen Experten (ohne Namensnennung) erhebliche Zweifel an der Qualität des Konzepts der Bundeswehrreform geäußert wurden. Für mich ein deutliches Signal, dass das Kanzleramt und damit die Kanzlerin zu Herrn von Guttenberg auf Distanz ging.

Herr Thoams Dr. DeMaiziere, der neue Verteidigungsminister entließ als erstes den Staatssekretär Otremba, der für die Bundeswehrreform zuständig war. Erfolgreiche und substantielle richtige Politik könnte anders aussehen.

Die Frage ist natürlich, inwieweit es schon länger (interne) Kritik an dem Stand der Planung der Bundeswehrreform gab. Vielleicht passt da der Rücktritt ganz gut.
Auf jeden Fall ist es noch nicht so ganz gelungen, genügend Freiwillige für die neue Konzeption der Bundeswehr zu gewinnen. Daher hat von Guttenberg der Bild Zeitung und anderen Medien aus dem Springer Verlag etc. 5,5 Millionen Euro für Anzeigen gegeben. Die Bildzeitung widmeite Herrn von Guttenberg bei seinem Rücktritt vier Seiten und natürlich die Titelseite.

Was hat Herrn von Guttenberg bisher politisch geleistet ?

Bei der Opel-Krise sagte er “Wir geben nichts” zum Glück für ihn erholte sich schnell die Auto-Krise und viele Arbeitsplätze sind so bei Opel erhalten geblieben.

Bundeswehrreform: Hier wurde die Wehrpflicht ausgesetzt und das Konzept der Freiwilligenarmee entwickelt. Die Frage ist allerdings wirklich, ist das sinnvoll ?Oder wäre es eventuell sinnvoll, darüber nach zu denken, ob nicht irgendeine Form von Zwischenhalt oder Zwischenschritt von Schule/Berufsausbildung in das Erwerbsleben sinnvoll wäre. Man hätte ja auch sagen können, die Wehrpflicht bleibt bestehen, alle Männer werden nach wie vor gemustert, allerdings vielleicht nicht ganz so streng. und jeder Mann muss in irgendeiner Weise ein Jahr dienen (Bundeswehr, Zivildienst, THW, Umwelt, Auslandseinsatz etc.)

Die Vorstellung, dass junge Menschen aus dem Gymnasium kommen und bruchlos ein zur Zeit tendenziell verschultes Studium anfangen, ist ein wenig gewöhnungs-bedürftig, erst Recht wenn diese jungen Männern nach dem Studium in einen Betrieb kommen, ohne nennenswert andere Bereiche der Lebenswirklichkeit kennen gelernt zu haben. Wie sollen diese junge Akademiker die Sorgen und Nöte anderer Menschen , auch eventuell von Mitarbeitern wahrnehmen und ernst nehmen können ?

und wie sollen Sie auch menschlich kompetente Führungskräfte werden ?

Herzliche Grüße

 

Gerhard Endres

Bayerische Bildungspolitik: Erfolgsmodell oder Kahlschlagpolitik ?

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spänle betont, dass “noch nie seit 1946 so viele Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt sind wie heute. Bis zum Ende der Legislaturperiode werden seit 2008 rund 6.000 zusätzliche Stellen geschaffen worden sein.” Für den Minister ist klar: “Trotz zurückgehender Schülerzahlen hatten wir in Bayern nie mehr Lehrkräfte als heute. Die Betreuungsrelation
konnten wir allein seit dem Schuljahr 1999/2000 von 18,2 Schüler auf 16,8 Schüler pro Vollzeitlehrkraft absenken.
Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen”.

Für Minister Spänle gibt es weitere neue Stellen:

“Der Freistaat Bayern betreibt seit Jahren eine konsequente Einstellungspolitik, zeigte Spaenle auf. So wurden im
Doppelhaushalt 2009/2010 insgesamt 2.738 zusätzliche Lehrerplanstellen geschaffen. Im Regierungsentwurf zum
Doppelhaushalt 2011/2012 sind insgesamt 2.553 Planstellen ausgewiesen, davon 1.553 für das Schuljahr 2011/2012 und 1.000 für das Schuljahr 2012/2013. Zudem sieht der Entwurf weitere 1.320 neue Planstellen vor, um die
Arbeitszeitverkürzung der verbeamteten Lehrkräfte umzusetzen.”

Bei diesen Aussagen des bayerischen Bildungsministers müsste man eigentlich beruhigt sein.

Doch der bayerische Lehrer-und Lehrerinnenverband (BLLV) führt andere Zahlen an. Präsident Klaus Wenzel: „Sollte es tatsächlich so sein, dass für das Schuljahr 2011 insgesamt 857 Stellen und ein Jahr darauf weitere 1134 Lehrerstellen an Grund- und Hauptschulen sowie 129 an Realschulen gesperrt werden sollen, wäre der heutige Tag ein rabenschwarzer Tag für Schüler und Lehrer in Bayern. Es wäre auch ein verheerendes Signal für den ländlichen Raum, denn ohne Lehrer können auch keine Schulstandorte aufrecht erhalten werden.“ Diese Meldung hatte am Dienstag, den 1.2.2011, die Nachrichtenagentur dpa verbreitet. Ulrich Pfaffmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag und Vorsitzender des Bildungsausschusses des bayerischen Landtags, legte am Mittwoch, den 2.Februar 2011 die Zahlen des Entwurfs des Haushaltsplans für den Geschäftsbereich des bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Einzelplan 05) vor. in dieser Vorlage werden die Zahlen des BLLV bestätigt: bis 1.8.2011 sollen folgende Stellen wegfallen (kw): öffentliche Volksschulen 857, öffentliche Förderschulen und Schule für Kranke 56, staatliche Realschulen 30, Staatliche Gymnasien: 1499, in der Summe 2442 Lehrerstellen. Bis 1.8.2012 sollen weitere 1335 Stellen wegfallen und in der Zukunft sollen bei den Realschulen 1418 Stellen gestrichen werden. BLLV Präsident Klaus Wenzel zu den Plänen des Bildungsministers Spänle:”Wir können eine derart kontraproduktive Vorgehensweise nicht glauben“. Dieses Vorgehen hat Empörung und Enttäuschung beim BLLV ausgelöst: „Eines der Hauptziele des Kultusministers ist die individuelle Förderung – dafür brauchen wir Lehrer und nochmals Lehrer“, stellte Wenzel klar. „Wenn jetzt im großen Stil gestrichen wird, kann das wünschenswerte Konzept des Kultusminis-ters nicht aufgehen. Der BLLV erwartet vom Bayerischen Landtag, dass der Haushaltsplan verantwortungsbewusst diskutiert und bildungsfreundlich beschlossen wird.“ Wenzel befürchtet, „durch kurzsichtige Wei-chenstellungen in den Haushaltsentwürfen werden Probleme an Bayerns Schu-len und Hochschulen nicht gelöst, sondern extrem verschärft. Bildung wird im großen Stil geschwächt, der Lehrerberuf systematisch ausgehöhlt. Das geht nicht nur an die Substanz und Kraft vieler Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch an ihre Würde. Sie sollen zwar jede Menge Reformen umsetzen, werden aber in keiner Weise unterstützt. Kein Wunder, dass sie sich im Stich gelassen und ausgenutzt fühlen.”

Kommentar: Die Ankündigungen des bayerischen Bildungsministers passen einfach nicht mit den Handlungen zusammen. Individuelle Förderung, Begleitung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hin zu einer Berufsausbildung können nur mit einer stärkeren persönlichen Begleitung Erfolg haben. Die Kosten des Landesbank-Desasters müssen die Lehrer und Schüler im bayerischen Schulsystem aushalten. Jeder Euro der jetzt nicht für die Jugendlichen ausgegeben wird ist auch öknomisch gesehen falsch angelegt. Nur durch eine breite, fundierte Bildung haben die Jugendlichen eine realistische Chance in dieser Arbeits-und Wirtschaftsgesellschaft, nur durch die Investition in Bildung kann auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und der Wohlstand der Menschen gehalten und eventuell ausgebaut werden.

Numerus Clausus in den Erziehungswissenschaften an der LMU ?

Die Fakultät 11 für Erziehungswissenschaften hat einen Numerus Clausus für alle Fächer und für alle Lehrämter beschlossen. Allerdings muss dieser Beschluss noch von den zuständigen Stellen bestätigt werden.

Während die TU München viel Geld in ihre School of Edcuation investiert, scheint die LMU die Wichtigkeit des Lehramtsstudiums noch nicht ganz erkannt zu haben

Welche Zeitungen wirklich gelesen werden..

Landlust – Auflagengewinner bei der Auflagensteigerung

Die Landlust steigerte die Auflage um 22,4% auf 794.246 – was auch immer das bedeuten mag.

Die Bildzeitung verlor wieder auf 2.900.355 verkaufte Exemplare, das bedeutet 4,3%. Bei den Magzinen hat

der “Focus” mit 5% den größten Rückgang auf 550.811 Exemplare, die verkaufte Auflage des Spiegels sank

um 4% auf 974.638 und der Stern verlor 2% auf 877.181. Zulegen konnten die Wohn-und Gartenzeitschriften

und die Kinderzeitschriften. Bei den Wochenzeitschriften haben de Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

um 1,4% auf 356.912 zugelegt und die Zeit um 0,4% auf 504.256.

Doch richtig hohe Auflagen haben die ADAC Motorwelt 13.586.371 und die Apothekenrundschau mit insgesamt

einer Auflage von 9,63 Millionen. Die ADAC Motorwelt ist die Mitgliederzeitung des ADAC und die

Apothekenrundschau hat auch ein eigenes Profil. Beide Zeitungen haben offensichtlich auch viele Leser, sonst

hätte zumindest die Apothekenrundschau nicht soviele Werbeanzeigen.

Tatsache ist auf jeden Fall, dass diese beiden Zeitungen durch ihre Inhalte, Schwerpunkte und Bewertungen

auch gesellschaftliche und politische Strömungen unterstützen oder auch entgegnen können. Wahrscheinlich

werden diese Zeitungen auch vielen Menschen gelesen, die nicht regelmäßig eine Tageszeitung, ein Magazin

oder eine profilierte Wochenzeitung lesen.

Ob man aus diesem Ausschnitt der über 400 registrierten Titel einen Trend ablesen kann ist schwer zu sagen..

interessant ist auf jeden Fall. Auf die Kommentare bin ich gespannt

Nähere Infos bei

http://www.dwdl.de/story/29747/ivw_42010_die_auflagenzahlen_im_detail/page_18.html

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