FC Bayern: Neues Erfolgsmodell entwickeln

Der FC Bayern ist gestern abend trotz besserer Mannschaftsleistung, vielen Torchancen gescheitert. Das bisherige FC-Bayern-Erfolgsmodell durch wirtschaftliche Stärke auch sportlich stark zu sein hat ihre Grenzen erreicht. Pech drückt die Niederlage falsch aus.
Was ich von außen so sah, war entschlossenes Kämpfen und ein gutes Spiel des FC Bayern, doch eine merkwürdige Erfolglosigkeit beim Torschuss: Robben, Gomez etc. alle hatten mehrere
Chancen, aber irgendwie fehlte die innere Ruhe, Gelassenheit aus Chancen auch Tore zu schießen. Der FC Bayern erschien wie ein gut aufgezogenes Uhrwerk, doch nach immer längerem Spiel erschien es mir eher wie ein Hamsterrad. Höhepunkt dabei war nicht der Treffer von Drogba für Chelsea, das kann immer passieren. Der Höhepunkt war der Elfmeter für den FC Bayern. Robben hat beim Pokalfinale gegen Dortmund schon verschossen. Hat die Mannschaft nicht miteinander gesprochen, wer schießt einen Elfmeter, wenn einer kommen sollte ? Der Chelsea Torhüter ist ja einer der besten der Welt, da kann man nicht einfach
drauf losspielen bzw. schießen. Da muss man sich vorher was überlegen. Robben hatte
ja schon vorher mal den bayerischen Himmel mit seinen Schüssen beglückt. Wer entscheidet bei den Bayern in so einer Situation auf dem Rasen ? Der Kapitän ? oder der sich gerade berufen fühlt ? Irgendwie beschlich mich je länger ich das Spiel ansah, irgendwie eine inntere Leere des Spiels des FC Bayern. Es fehlte aus meiner Sicht die innere Mitte, die
Gelassenheit und Freude trotz allem Einsatz.

Das Geschäftsmodell des FC Bayern ist an seine Grenzen gekommen: Früher kauften sich die Bayern von den deutschen Konkurrenten mit ihrem reichlichen Geld die Spieler, um so an der Spitze zu bleiben, dann kamen die Spieler von anderen internationalen Clubs.
Toni, Robben, Ribery und viele mehr. Doch das einzige reguläre Tor schon Müller, ein Eigengewächs und Schweinsteiger brachte auch clevere Pässe.

Klar wird immer gesagt, international mitspielen ist für den FC Bayern wichtig. Klar ist es, klar ist Champions League besser als die anderen internationalen Ligen.

Was Dortmund derzeit von Bayern unterscheidet, dass es eine Seele hat, FC Bayern hat viele individuelle Könner oder Diven, wie Robben. Die Abhängigkeit von einzelnen Spielern ist für einen Verein schlecht. Es wäre jetzt ein gutes Zeichen, den Vertrag mit Robben nicht zu verlängern. Er hat zwei wichtige Spiele vergeigt und ist offensichtlich auch nicht besonders einsichtig. Bayern braucht jetzt junge Spieler aus der eigenen Jugendmannschaft und muss jetzt einfach 2,3 Jahre Aufbauarbeit leisten.

FC Bayern verkauft soviel Fanartikel wie wahrscheinlich kein anderer Club und kann auch
ganz gut ein bis zwei Jahre ohne Champions League leben.
Wichtig wäre jetzt mal Druck aus dem Kessel zu nehmen, gelassener, entspannter und vielleicht auch ein wenig aufmerksamer zu werden: nicht Hamsterrad ist angesagt, sondern
innere Mitte: Man braucht nicht 20 Chancen, man muss nur Tore schießen mit den Chancen, die man bekommt. Zugespitzt: vielleicht täte der Spitze des FC Bayern, der Geschäftsführung und den Spielern mal ein Aufenthalt in einem Kloster oder auch gelegentliche spirituelle, religiöse Gespräche ganz gut. Diese Niederlage bietet jetzt
die Chance zur Umkehr, zum Neuanfang. Bayern hatte viele Chancen, aber – aus Müller – kein Herz diese zu verwandeln. Es geht nicht um Mut, sondern um die Aufmerksamkeit für den Augenblick und diese eine Chance zu sehen und zu nutzen. Diese Aufmerksamkeit kann auch geübt werden, vielleicht auch mit mehr Bescheidenheit im Auftreten und Gelassenheit im Umgang mit anderen. Nicht markige Ansprachen der Chefs sind gefragt, sondern die Einsicht, das bisherige Geschäftsmodell des FC Bayern hat gestern seine endgültige Grenze erreicht. Besser kann Bayern nicht spielen, aber in Zukunft bitte mit Seele und Herz.

Wulff-Nachfolge: Hat die Regierung immer noch nichts gelernt ? Närrisches Treiben in Berlin

CDU-Generalsekretär Gröhe und CDU-Fraktionsvorsitzender Kauder betonten gestern und
heute, CDU/FDP/CSU haben eine knappe Mehrheit und schlagen daher einen Namen vor.
Seit gestern brüten sie schon über Namen, während die Absagen eintrudeln:
Bundesverfassungsgerichtspräsident Voßhuhle sagt ab, ebenso DeMaizere. Die SPD schließt ein Mitglied der Bundesregierung aus, die Grünen wollen einen Kandidaten oder eine
Kandidatin, die nicht aus der aktiven Politik kommt, aber es “kann” und “Orientierung geben kann”. Sah es ursprünglich so aus, dass dass am Samstag sich CD/CSU/FDP/SPD/Grüne
treffen, wird es frühestens morgen stattfinden.
Anscheinend müssen die verschiedenen Interessen der Bundesregierung austariert werden.
Die Interessen der Regierungsparteien stehen dabei im Vordergrund, nicht die Wahl des
besten Kandidaten/der besten Kandidatin.
Vielleicht ist es am besten gleich das Amt abzuschaffen, wenn es eh nur noch zum
Spielball für politische Spielchen wird. Um es deutlich zu sagen:
Es war falsch Horst Köhler als Chef des IWF abzuziehen und damit für Jahrzehnte
keine Chance zu haben, einen Deutschen in einer wichtigen weltweiten Organisation zu haben. Ähnlich war es ja mit der Besetzung der EZB: Professor Weber sprang kurzfristig ab und es gelang nicht einen Deutschen als Chefvolkswirt zu plazieren.
Hr. Wulff, wurde – das ist leider deutlich geworden – in jeder Hinsicht mit dem Amt überfordert gewesen.
Was wird jetzt getan ? Nichts, das in irgendeiner Weise der Würde des Amtes entpricht.
So kann man Politikverdrossenheit und den Abbau von Werten auch fördern.
Wichtig ist nur, dass irgendeine Person irgendeine Position besetzt.
Wie wäre es, zu sagen, ja jetzt nehmen wir Joachim Gauck.
Dazu hätte es aber Einsicht in der Regierungskoalition bedurft.
Stattdessen:Gröhe und Kauder betonen (die äußerst knappe) eigene Mehrheit.
Stundenlang wird hinter verschlossenen Türen gefeilscht. Die Partei Theodor Heuss´(FDP)
müsste eigentlich kapieren, das es um geht, als um die Gesichtswahrung der FDP.
Gelingt kein wirklich guter breit akzeptierter Kandidat, dann kann man das Amt abschaffen und rolierend nimmt es der jeweilige Ministerpräsident wahr.
Das zu erkennen, wäre schon eine Leistung, die man sich fast gar nicht vorstellen kann, dass dies möglich ist. Aber vielleicht entspricht ja diesem Politikstil auch das Faschingswochenende, nur Narren unterwegs, die Spaß haben wollen, aber keine wirkliche Verantwortung übernehmen wollen oder können.

Deutscher Qualifikationsrahmen: Neuer Anlauf Ende Januar 2012

Ties Rabe, Hamburger Bildungssenator (SPD) und neuer Vorsitzender der Kultusministerkonferenz scheint die Situation realistisch einzuschätzen: Die Sozialpartner lassen sich nicht spalten und beharren auf der Position, dass qualifizierte berufliche Ausbildung auf das gleiche Niveau wie das Abitur gesetzt werden müssen. Da die KMK offensichtlich das Abitur weiterhin auf Stufe 5 eingruppieren will, gibt es nur die Chance zur Einigung, viele qualifizierte Ausbildungsberufe auch auf die Stufe 5 zu setzen. Offen wird mittlerweile im Umfeld der KMK eingeräumt, dass die deutsche duale berufliche Ausbildung in Europa zu niedrig eingruppiert wird. Das sieht offensichtlich auch die Bundesbildungsministerin Schavan so, die von einer Eingruppierung von Abitur und qualifizierter beruflicher Bildung auf dem gleichen Niveau ausgeht.

Wie geht es weiter ? Mitte Januar wurde die KMK in den Bundestagsausschuss für Bildung eingeladen um die Eingruppierung zu beraten. Grundlage ist ein Antrag der SPD-Bundestagsfraktion mit dem Vorsitzenden Steinmeier an der Spitze. Ende Januar soll es ein gemeinsames Gespräch von Bundesregierung, KMK und Sozialpartner geben. Klar ist schon jetzt, dass die KMK die politischen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse falsch eingeschätzt hat und sich in eine Abseitsposition begeben hat und klar an der Wand steht. Ihre Glaubwürdigkeit als Akteur der Anliegen der Bildungspolitik ist sowieso schon erschüttert, sie kann jetzt nur noch versuchen einem Kompromiss zu zustimmen, sonst scheitert der DQR – und die Schuld hätte die KMK. Denn Bundesregierung, Wirtschaftsminister der Länder und die Sozialpartner lehnen eine alleinige Eingruppierung des Abiturs in Niveaustufe 5 ab.

Der bisherige Verlauf:

Das für den Donnerstag, den 8.12.2011 von der KMK vorgesehene Kompromisstreffen zur Einstufung des Abiturs und der qualifizierten Berufe auf der 8-stufigen Niveauskala wurde von der Wirtschaft und den Gewerkschaften abgesagt. Damit ist der Vorsitzende der KMK, Kultusminister Althusmann aus Niedersachsen mit seiner Strategie gescheitert. Offensichtlich hat er – und zumindest ein Teil der Kultusminister – immer noch cie Brisanz für die duale Berufsausbildung verstanden, wenn das Abitur auf Stufe 5 und mindestens 3-jährige Berufe auf Niveaustufe 4 gesetzt worden wären. Die Kultusministerkonferenz scheint immer noch nicht zu verstehen, welchen hohen Stellenwert eine gleichwertige Einstufung von qualifiizierter Ausbildung und Abitur für die Wirtschaft und Gewerkschaften und damit für die Sozialpartner haben.
Die duale Berufsausbildung ist das Rückgrat der deutschen
Arbeitsgesellschaft und damit auch die Garantie für Qualität in Handwerk und Produktion, Die Gleichwertigkeit ist das Herzstück für die Anerkennung von Berufsausbildung. Wird dieses Prinzip aufgegeben, besteht die Gefahr einer schleichenden Dequalifizierung der Fachkräfte und damit eine Aushöhlung des industriellen Kerns Deutschlands.

Offensichtlich haben die Kultusminister die Entsclossenheit von Wirtschaft und Gewerkschaften unterschätzt.

Eine neue Terminierung ist für den Januar 2012 im Gespräch, allerdings besteht die Forderung nach Einbeziehung der Bundesbene und der Wirtschaftsminister der Länder. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich langsam auch die Ministerpräsidenten oder zumindest einer der Ministerpräsidenten sich des Themas annehmen könnte oder sollte. Die Hinhaltetaktik der Kultusministerkonferenz hat schon jetzt sehr viel Ärger ausgelöst.

Deutscher Qualifikationsrahmen: Lobby der Gymnasien gefährdet deutsche Berufsausbildung

Deutscher Qualifikationsrahmen: Lobby der Gymnasien gefährdet deutsche Berufsausbildung

Am Donnerstag, 8.12.2011 trifft sich die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften

Die Kultusminister wollen das Abitur auf der Skala von eins bis acht auf fünf setzen, einen mindestens dreijährigen Berufsabschluss auf vier.
Bundesregierung, Wirtschaftsminister, Wirtschaft und Gewerkschaften fordern in seltener Einmütigkeit die Gleichwertigkeit der Abschlüsse von allgemeiner und beruflicher Bildung und damit die Eingruppierung von Abitur und mindestens dreijähriger Berufsausbildung jeweils auf vier.

In neun anderen europäischen Ländern ist diese der nationalen Qualifikationsrahmen so vorgenommen worden. Ausgerechnet im Land einer weltweit vorbildlichen verzahnten Berufsausbildung im Betrieb und Berufschule, der sogenannten dualen Berufsausbildung versuchen die Kultusminister den Vorrang des Gymnasiums vor der beruflichen Berufsausbildung zu zementieren. In Sonntagsreden wird die Berufsausbildung gelobt, der Meister gefeiert. Doch an den Werktagen wird den Akteuren der beruflichen Bildung und ihrer Reputation das Leben schwer gemacht. Nicht nur dass die Vertreter der Kultusministerien unverantwortlich in den Kommissionen taktiert haben und damit die Arbeit verzögert haben, nein es kommt noch hinzu, dass die Brisanz schlicht und einfach negiert wird, so z.B. vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz dem niedersächsischen Kultusminister Althusmann: „Es wird am 8. Dezember unter meiner Leitung ein Gespräch mit den Sozialpartnern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften in Berlin geben, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der KMK. Ich kann mir vorstellen, dass man sich verständigt. Klar muss aber sein, wir müssen versuchen unsere allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und hoch qualifizierte Berufsabschlüsse gleichsam auf das höchstmögliche Niveau in Europa zu bekommen. Das ist nämlich der Beschluss der KMK: berufliche Ausbildung und allgemeine Hochschulzugangsberechtigung Stichwort Abitur auf das Kompetenzniveau 5 zu bringen und dann die Berufsausbildung auf drei Niveaustufen zu differenzieren. Gegebenenfalls wird es am Ende einen Kompromiss geben.“(So im Bildungsklick vom 24.11.2011) und weiter:
„Dr. Bernd Althusmann: Einen worst case hoffe ich, wird es nicht geben. In Deutschland haben wir genügend vernünftige
Menschen, sowohl aufseiten der KMK als auch aufseiten der Wirtschaftsvertreter, dass wir uns sicherlich verständigen
werden. Klar muss aber sein, gerade die starke duale Berufsausbildung in Deutschland muss auf ein hohes europäisches
Niveau. Wir dürfen uns nicht länger darüber beklagen, wenn wir nicht ausreichend mit dieser Ausbildung anerkannt werden,
wenn uns das jetzt nicht gelingt.“ (Bildungsklick 24.11.2011)

Herr Althusmann scheint den Ärger den die Kultusministerkonferenz
derzeit permanent mit ihren Argumenten auslöst, total auszublenden.
Wenn das eher besonnene Handwerk von „einem Generalangriff auf die dualen Berufsausbildung“ spricht (Presseerklärung vom 24.10.2011), dann geht es nicht um fadenscheinige Kompromisse sondern um eine Entscheidung für oder gegen die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung. Dann geht es auch um das Gespräch auf Augenhöhe, bei der nicht die Kultusminister über Kompromisse feilschen können, wie sie das vielleicht ja mit anderen Gruppen in der Gesellschaft gewöhnt sein könnten. Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufbildung (BIBB), in dem Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften die Leitlinien der beruflichen Bildung gemeinsam besprechen, beschloss dass der Beschluss der Kultusminister
“weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet”, sei so der BIBB-Hauptausschuss. Das auch als “Parlament der Berufsbildung” bezeichnete BIBB-Gremium befürchtet einen Attraktivitätsverlust der dualen Berufsausbildung und damit negative Auswirkungen auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche. “Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss.” Daher rufen die Mitglieder des BIBB-Hauptausschusses die Kultusminister daher auf, “ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren”. (Beschluss des Hauptausschusses vom 29.11.2011). Der IG Metall Bildungsexperte Klaus
Heimann sagt dazu: „Natürlich werden Wirtschaft und Gewerkschaften Gespräche mit der KMK führen. Aber unter anderen Bedingungen als die KMK das am 8. Dezember vorschlägt. Gespräche gibt es nur auf Augenhöhe und mit
ergebnisoffenem Ausgang“. Die Gewerkschaften drängen daher auf einen anderen Termin und auf eine andere Zusammen-setzung als von der KMK geplant.

Die Ergebnisse der allgemeinen deutschen Bildungspolitik sind ja nicht so hervorragend, dass sie einen wirklich funktionierenden Bildungsbereich entscheidend schwächen sollten. Und vielleicht noch was: In Zukunft ist der Mangel an Fachkräften mit einer dualen beruflichen Ausbildung größer als der an Akademikern. Vergessen wird oft, dass viele Ingenieure vorher eine Ausbildung durchlaufen haben. Gerade die duale Berufsausbildung in Verbindung mit Theorie ist das Rückrat für die Produktion in Handwerk und Industrie. Viele deutsche mittelständische Unternehmen sind in ihren Segmenten Weltmarktführer. Ein großer Hersteller von Bussen sagte bei einem Betriebsbesuch, wir bilden die zukünftigen Facharbeiter drei Jahre aus und bilden Sie noch zwei Jahre weiter, dass sie die hohe Qualität der Busse herstellen können. In anderen Ländern in Europa könnten wir diese Qualität nicht herstellen.
Wollen dies wollen die Kultusminister wegen dem Druck aus dem Bereich der Lobbyisten aus dem Gymnasialbereich
opfern ? Spätestens sind hier die Ministerpräsidenten gefordert.

Anhang 1
www.zdh.de
© 2011 Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V.
Handwerk beklagt Generalangriff auf die berufliche Bildung
Zum Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder, wonach das Abitur höherwertig eingestuft werden soll
als der Großteil der dualen Ausbildungsabschlüsse, erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Mit ihrer Entscheidung hat sich die Kultusministerkonferenz bildungspolitisch isoliert. Sämtliche andere Akteure, die an der Erarbeitung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) beteiligt sind – der Bund sowie die
Sozialpartner und Wirtschaftsorganisationen – plädieren schon seit langem für eine gleichwertige Einstufung der
dualen Berufsausbildung mit dem Abitur auf Niveau 4 des DQR. Selbst die Wirtschaftsminister der Länder haben sich im vergangenen August hierfür ausgesprochen. Die Entscheidung der KMK wertet das Handwerk als Generalangriff auf die duale Berufsausbildung. Der beruflichen Bildung muss ein angemessener Platz im nationalen Bildungssystem eingeräumt werden. Ansonsten riskiert die KMK bewusst das Scheitern des nationalen Qualifikationsrahmens und nimmt eine
Gefährdung des Wirtschaftsstandortes Deutschland in Kauf.
Die duale Ausbildung ist die zentrale Basis für die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Wirtschaft. Sie zu untergraben ist inakzeptabel. Wenn der Großteil der Ausbildungsberufe unterhalb der allgemeinen Hochschulreife eingeordnet wird, droht der dualen Berufsausbildung in Deutschland ein massiver
Attraktivitätsverlust.“
[24.10.2011]

Anlage 2

50/ 2011
Bonn, 01.12.2011
Deutscher Qualifikationsrahmen: BIBB-Hauptausschuss fordert Kultusministerkonferenz zum Umdenken auf
Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat zur Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) Ende November eine Stellungnahme verabschiedet: Der Beschluss der KMK, wonach das Abitur bei der Ausgestaltung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) auf Niveaustufe 5 und damit höher als viele Abschlüsse der beruflichen Bildung eingeordnet werden sollte, sei “weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet”, so der BIBB-Hauptausschuss. Sollte dieser Beschluss so bestehen bleiben, befürchtet das auch als “Parlament der Berufsbildung” bezeichnete BIBB-Gremium einen Attraktivitätsverlust der dualen Berufsausbildung und damit negative Auswirkungen auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche. “Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss.” Die Mitglieder des BIBB-Hauptausschusses rufen die Kultusminister daher auf, “ihre Entscheidung zu überdenken und zu korrigieren”.
Der BIBB-Hauptausschuss sowie die Bundesregierung, die Wirtschaftsministerkonferenz der Länder, die Sozialpartner und die Wirtschaftsorganisationen setzen sich übereinstimmend dafür ein, das Abitur sowie die drei- und dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufe gleichwertig auf die Niveaustufe 4 des DQR zuzuordnen.
Der bis zum kommenden Jahr bildungsbereichsübergreifend zu entwickelnde Deutsche Qualifikationsrahmen bildet – genauso wie der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), mit dem der DQR eng verzahnt werden muss – die Wertigkeit von Qualifikationen in einer achtstufigen Skala ab. Mit der Umsetzung der Qualifikationsrahmen sollen sich Qualifikationsstandards in Europa etablieren, wodurch Transparenz und Mobilität gefördert, die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen erhöht und die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung verwirklicht werden sollen.
Der Hauptausschuss des BIBB hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Dem Ausschuss gehören zu gleichen Teilen Vertreter und Vertreterinnen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie der Bundesländer und der Bundesregierung an.

Anlage 3
Anlage zur BIBB-Pressemitteilung Nr. 50/2011 vom 01.12.2011:
Stellungnahme des Hauptausschusses des
Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
Bewertung des Beschlusses der Kultusministerkonferenz (KMK)
zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)
Im Einklang deutscher und europäischer Bildungspolitik sollen Mobilität und Transparenz gefördert, die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsbe-reichen erhöht und die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung verwirklicht werden. Hierauf zielt der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ab. Im Erarbeitungsprozess zum DQR gab es einen breiten Konsens zwischen Bundesregierung, Kultusministerkonferenz, Hochschulrektoren-konferenz, Wirtschaftsministerkonferenz, Sozialpartnern, Wirtschaftsorganisationen und anderen wichtigen Akteuren des deutschen Bildungs- und Qualifizierungssystems. Die Matrix des DQR wird von all diesen Beteiligten als geeignete Grundlage für die weitere Erarbeitung akzeptiert. Im Rahmen der Zuordnung von Qualifikationen haben sich Bundesregierung, Wirtschaftsministerkonferenz, Sozialpartner und Wirtschaftsorganisationen fachlich durch die Matrix des DQR begründet positioniert: Qualifikationen der Allgemeinbildung und der beruflichen Erstausbildung sollen den Niveaus 1 bis 4, die der beruflichen Weiterbildung und akademischen Bildung den Niveaus 5 bis 8 zugeordnet werden. Diese Zuordnung steht im Einklang mit europäischen Entwicklungen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrer Plenarsitzung am 20./21.10.2011 den Beschluss gefasst, die allgemeine Hochschulreife (AHR) und die fachgebundene Hochschul-reife (FgbHR) auf Niveau 5 des DQR zuzuordnen. Die berufliche Bildung soll offensichtlich zudem größtenteils niedriger bewertet werden als die allgemeine Hochschulreife. Damit stellt sich die KMK bewusst gegen die Position der anderen am Erarbeitungsprozess beteiligten Akteure.

Der Zuordnungsvorschlag der KMK ist absolut inakzeptabel. Er ist weder inhaltlich unterlegt noch nachvollziehbar begründet. Das Abitur entspricht nicht den Kriteri-en, wie sie in der Matrix des DQR auf Niveau 5 beschrieben sind. Abiturienten weisen mit ihrem Schulabschluss nicht die Handlungskompetenzen im Sinne des Niveaus 5 des Deutschen oder des Europäischen Qualifikationsrahmens auf (so besitzen sie nicht die Fähigkeiten und Kenntnisse zur Führung von Teams). Das Abitur ist oft erst die Basis, um eine berufliche Ausbildung in Unternehmen oder ein Studium aufnehmen zu können. Das Ansinnen der Kultusminister reflektiert auch nicht die damit verbundenen Konsequenzen für das deutsche Qualifikations- und Beschäftigungssystem. Ihr Beschluss wird sich, sollte er so bestehen bleiben, äußerst negativ auf die Nachwuchssicherung sämtlicher Wirtschaftsbereiche und -sektoren auswirken. Die duale Berufsausbildung wird einen Attraktivitätsverlust erleiden. Es besteht die Gefahr, dass sich immer weniger junge Menschen mit allgemeiner Hochschulreife für eine berufliche Ausbildung entscheiden, wenn ihnen suggeriert wird, dass ihr Schulabschluss höherwertiger ist als ein Berufsabschluss. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des jetzt schon bestehenden Fachkräftemangels ist das eine alarmierende Vorstellung. Der Wirt-schaftsstandort Deutschland ist auch in Zukunft auf gute, beruflich qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Mit ihrer Position, dass AHR und FgbHR qualitativ über dem Gros der dualen Ausbildungsberufe stehen, stellt die KMK auch das Bestreben um eine Beförderung der Gleichwertigkeit der Bildungsbereiche innerhalb des Bildungssystems infrage. Der bisher im Rahmen der Erarbeitung des DQR erzielte Konsens hinsichtlich Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung wird konterkariert. Das betrifft beispielsweise die gleichwertige Zuordnung von Bachelor und Meister auf Niveau 6 sowie von Master und Strategischer Professional auf Niveau 7. Die Mitglieder des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung fordern, dass alle Qualifikationen entsprechend der Niveaubeschreibungen und un-abhängig von Zugangsberechtigungen dem DQR zugeordnet werden. Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Lehrende und Lernende werden
eine Höherbewertung von AHR und FgbHR im DQR-Niveau 5 nicht akzeptieren. Die Mitglieder des Hauptausschusses fordern die Kultusminister der Länder auf, die bisherigen Errungenschaften des DQR, insbesondere mit Blick auf den Übergang vom Bildungs- ins Beschäftigungssystem, nicht zur Disposition zu stellen. Sie rufen die Kultusminister auf, ihre Entscheidung im Lichte ihrer bildungspolitischen Gesamtverantwortung zu überdenken und zu korrigieren. Es muss das gemeinsame Interesse aller Verantwortlichen sein, mit dem DQR ein in sich stimmiges Zuordnungssystem zu finden, das sowohl der Weiterentwicklung des gesamten Bildungssystems als auch der Orientierung aller Unternehmen, Lernenden und Arbeitnehmer dient. Auch die Entscheidung, die AHR, die FgbHR und die Fachhochschulreife (FHR) unterschiedlichen Niveaus zuzuordnen, muss überdacht werden.
Die Mitglieder des Hauptausschusses unterstützen nachdrücklich die Position der Bundesregierung und der Wirtschaftsministerkonferenz, wonach das Abitur dem Niveau 4 im DQR zugeordnet werden soll, und bitten beide, diese Position konsequent weiter zu vertreten. Sie erwarten von der KMK, dass der bisher beschrittene Weg der konsensualen Abstimmung aller Akteure im weiteren Erarbeitungsprozess des DQR wieder beachtet wird.

Bildungsungerechtigkeit Realität im Jahr 2011

Der “Spiegel” stellt in seiner Online-Ausgabe vorweg die Ergebnisse der Studie “Deutsche Lernatlas 2011″ der Bertelsmann Stiftung vor. Der Lernatlas versucht mit einem Set von Berechnungen und vielen Merkmalen die Lernmöglichkeiten anhand der Lebensverhältnisse zu errechnen. Der Spiegel schreibt: “Wie viel Ungleichheit aber verträgt ein Land, wann schlägt Unterschiedlichkeit in Ungerechtigkeit um? Der Lernatlas zerstört die Illusion von gleichwertigen Lebensverhältnissen, wie sie so oft beschworen worden sind. Die Verfassung erwähnt die „Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse im Bundesgebiet“. (Spiegel, 47/2011, Seite 72) . Den langjährigen Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK) zitiert der Spiegel so: “Vielmehr würden „eigene Interessen und Wege verfolgt, gerade im Süden der Republik“. Der Spiegel weiter:Wie mühsam 16 Länder zusammenzuhalten sind, weiß wahrscheinlich niemand besser als Thies. 13 Jahre lang bemühte er sich darum, so lange diente er der Kultusminister-konferenz. Heute sieht er Deutschland auf einem gefährlichen Weg in die Zweiklassengesellschaft. Bayern und Baden-Württemberg verfügten über ein „hohes Finanzpotential“, viele andere Länder nicht. Thies mahnt: „Wir müssen ufpassen, dass sich diese Unterschiede nicht noch weiter vergrößern.“ Spiegel 47/2011, S 72/73) Die sechs Sieger aus den verschiedenen Kategorien stammen alle aus dem Süden: E s sind die Städte München (größere Großstadt), Erlangen (sonstige Großstadt),Bamberg (  Klein-und Mittelstädte), Würzburg (verdichtetes Umland), Landkreis Main-Spessart (im ländlichen Umfeld) und Landkreis Miesbach (im ländlichen Raum). Die Botschaft der Bertelsmann-Stiftung lautet: “ Weil es auf so viel mehr ankommt. Nicht nur in der Schule oder der Hochschule lernen wir, sondern auch im Leben – das ist die Botschaft der Stiftung. Sie stützt sich auf einen großen Bericht der Unesco zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, erstellt von einer Kommission unter Leitung des langjährigen EU Kommissions-präsidenten Jacques Delors. Das Gremium benannte 1996 genau vier Bereiche des Lernens, die nun dem Lernatlas zugrunde liegen.” Der Spiegel zählt die vier Bereiche auf: “Da ist, erstens, das Schulische Lernen. Die Atlas-Werte bemessen sich unter anderem danach, wie gut Grundschüler lesen können, wie viele Schüler sitzenbleiben, wie viele Hochschulabsolventen eine Region zählt. Dazu kommt, zweitens, das Berufliche Lernen, vor allem Aus- und Weiterbildung: wie viele Jugendliche ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz sind oder wie viele Weiterbildungsangebote die Volkshochschule macht. Beide Bereiche sind so wichtig, dass sie die Gesamtpunktzahl eines Kreises stark beein-flussen: Zwei Drittel der Gesamtpunktzahl hängen davon ab. Spannender aber sind zwei weitere Bereiche, die der Lernatlas erfasst. Hier geht es nicht um Noten, nicht um Wissen, nicht um Bildung im engeren Sinne. Die Botschaft der Bertelsmann Stiftung lautet: Lernen kann man fast überall. Sie misst deshalb, drittens, das Soziale Lernen: wie viele Bürger einer Partei angehören, wie viele Einrichtungen der Jugendarbeit es gibt, wie viele Menschen sich in der Freiwilligen Feuerwehr und beim Deutschen Roten Kreuz engagieren.Und schließlich, viertens, geht es im Lernatlas noch darum, was jeder Einzelne für sich selbst tut, das Persönliche Lernen: wie viele Menschen ins Museum oder ins Theater gehen, wie viele Sportvereine es in einer Region gibt, wie gern die Menschen Bücher lesen.” (Spiegel 47/2011, S 74) Die Bertelsmann hat aus über 300 Lern – und Bildungskennzahlen ausgewählt, spannend wird es wenn die ausführliche Studie veröffentlicht wird und alle Städte und Kreise ansehen können wie gut sie dastehen. Düsseldorf hat z.B. eine Wirtschaftskraft aber einen relativ niedrigen Wert beim Lernatlas schreibt der Spiegel. Vielleicht ein Ergebnis der harten Kürzungspolitik in Düsseldorf ? Wichtig ist: In Bildung und Kultur muss auch investiert werden, denn Lernen geschieht – so die Bertelsmann – Stiftung -nicht nur in der Schule, sondern in Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr, der Bibliothek oder Museen. Lernen ist nicht an einen Ort allein gebunden, Lernen geschieht im Team und vielfältig. Wenn das in Deutschland sich herumsprechen würde, wäre das schon sehr wichtig. Denn: Lernen ist mehr als schulischer Unterricht.

Lebensbegleitende Bildungs- und Berufsberatung in Deutschland Strukturen und Angebote

Das Nationale Forum Bratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung hat nun eine wichtige Information auch in Deutsch veröffentlicht. Auf 20 Seiten beschreiben die Autoren
Bernhard Jenschke, Karen Schober und Judith Frübing die Struktur des Bildungssystems in Deutschland, Beratungsangebote in Bildung, Beruf und Beschäftigung, Beratung für Menschen mit besonderem Beratungsbedarf, Information und Beratung über das Internet, Qualität und Professionalität in der Beratung und die Europäische Zusammenarbeit. Ein Literaturverzeichnis und eine Übersicht von ausgewählten Webseiten runden diese außerordentlich hilfreiche Broschüre ab.

In Deutsch zum downloaden:
Lebensbegleitende Bildung – und Berufsberatung in Deutschland – Strukturen und Angebote.

http://www.forum-beratung.de/cms/upload/Veroeffentlichungen/Eigene_Veroeffentlichungen/NFB_MASTER_Broschre_englisch_V02.pdf

In Englisch zum download

http://www.forum-beratung.de/cms/upload/Veroeffentlichungen/Eigene_Veroeffentlichungen/NFB_MASTER_Broschre_englisch_V02.pdf

Bayerische Bildungspolitik: Erfolgsmodell oder Kahlschlagpolitik ?

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spänle betont, dass “noch nie seit 1946 so viele Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt sind wie heute. Bis zum Ende der Legislaturperiode werden seit 2008 rund 6.000 zusätzliche Stellen geschaffen worden sein.” Für den Minister ist klar: “Trotz zurückgehender Schülerzahlen hatten wir in Bayern nie mehr Lehrkräfte als heute. Die Betreuungsrelation
konnten wir allein seit dem Schuljahr 1999/2000 von 18,2 Schüler auf 16,8 Schüler pro Vollzeitlehrkraft absenken.
Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen”.

Für Minister Spänle gibt es weitere neue Stellen:

“Der Freistaat Bayern betreibt seit Jahren eine konsequente Einstellungspolitik, zeigte Spaenle auf. So wurden im
Doppelhaushalt 2009/2010 insgesamt 2.738 zusätzliche Lehrerplanstellen geschaffen. Im Regierungsentwurf zum
Doppelhaushalt 2011/2012 sind insgesamt 2.553 Planstellen ausgewiesen, davon 1.553 für das Schuljahr 2011/2012 und 1.000 für das Schuljahr 2012/2013. Zudem sieht der Entwurf weitere 1.320 neue Planstellen vor, um die
Arbeitszeitverkürzung der verbeamteten Lehrkräfte umzusetzen.”

Bei diesen Aussagen des bayerischen Bildungsministers müsste man eigentlich beruhigt sein.

Doch der bayerische Lehrer-und Lehrerinnenverband (BLLV) führt andere Zahlen an. Präsident Klaus Wenzel: „Sollte es tatsächlich so sein, dass für das Schuljahr 2011 insgesamt 857 Stellen und ein Jahr darauf weitere 1134 Lehrerstellen an Grund- und Hauptschulen sowie 129 an Realschulen gesperrt werden sollen, wäre der heutige Tag ein rabenschwarzer Tag für Schüler und Lehrer in Bayern. Es wäre auch ein verheerendes Signal für den ländlichen Raum, denn ohne Lehrer können auch keine Schulstandorte aufrecht erhalten werden.“ Diese Meldung hatte am Dienstag, den 1.2.2011, die Nachrichtenagentur dpa verbreitet. Ulrich Pfaffmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag und Vorsitzender des Bildungsausschusses des bayerischen Landtags, legte am Mittwoch, den 2.Februar 2011 die Zahlen des Entwurfs des Haushaltsplans für den Geschäftsbereich des bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Einzelplan 05) vor. in dieser Vorlage werden die Zahlen des BLLV bestätigt: bis 1.8.2011 sollen folgende Stellen wegfallen (kw): öffentliche Volksschulen 857, öffentliche Förderschulen und Schule für Kranke 56, staatliche Realschulen 30, Staatliche Gymnasien: 1499, in der Summe 2442 Lehrerstellen. Bis 1.8.2012 sollen weitere 1335 Stellen wegfallen und in der Zukunft sollen bei den Realschulen 1418 Stellen gestrichen werden. BLLV Präsident Klaus Wenzel zu den Plänen des Bildungsministers Spänle:”Wir können eine derart kontraproduktive Vorgehensweise nicht glauben“. Dieses Vorgehen hat Empörung und Enttäuschung beim BLLV ausgelöst: „Eines der Hauptziele des Kultusministers ist die individuelle Förderung – dafür brauchen wir Lehrer und nochmals Lehrer“, stellte Wenzel klar. „Wenn jetzt im großen Stil gestrichen wird, kann das wünschenswerte Konzept des Kultusminis-ters nicht aufgehen. Der BLLV erwartet vom Bayerischen Landtag, dass der Haushaltsplan verantwortungsbewusst diskutiert und bildungsfreundlich beschlossen wird.“ Wenzel befürchtet, „durch kurzsichtige Wei-chenstellungen in den Haushaltsentwürfen werden Probleme an Bayerns Schu-len und Hochschulen nicht gelöst, sondern extrem verschärft. Bildung wird im großen Stil geschwächt, der Lehrerberuf systematisch ausgehöhlt. Das geht nicht nur an die Substanz und Kraft vieler Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch an ihre Würde. Sie sollen zwar jede Menge Reformen umsetzen, werden aber in keiner Weise unterstützt. Kein Wunder, dass sie sich im Stich gelassen und ausgenutzt fühlen.”

Kommentar: Die Ankündigungen des bayerischen Bildungsministers passen einfach nicht mit den Handlungen zusammen. Individuelle Förderung, Begleitung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hin zu einer Berufsausbildung können nur mit einer stärkeren persönlichen Begleitung Erfolg haben. Die Kosten des Landesbank-Desasters müssen die Lehrer und Schüler im bayerischen Schulsystem aushalten. Jeder Euro der jetzt nicht für die Jugendlichen ausgegeben wird ist auch öknomisch gesehen falsch angelegt. Nur durch eine breite, fundierte Bildung haben die Jugendlichen eine realistische Chance in dieser Arbeits-und Wirtschaftsgesellschaft, nur durch die Investition in Bildung kann auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und der Wohlstand der Menschen gehalten und eventuell ausgebaut werden.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.